Rezensionen
18. Mai 2026

Hundesohn - Ozan Zakariıya Keskınkliç

Hundesohn von Ozan Zakarıya Keskinkılıç ist ein Romandebüt, das mit poetischer Wucht und schonungsloser Offenheit arbeitet. Im Zentrum steht Zeko, ein junger Mann in Berlin, der zwischen Dating-Apps, flüchtigen Begegnungen, Erinnerungen an seine Kindheit in der Türkei sowie Erlebnissen mit seiner besten Freundin hin- und hergerissen ist. Dort prägte ihn vor allem Hassan, der Nachbarsjunge aus Adana – von seinem Großvater Dede in den Schilderungen stets abwertend „Hundesohn“ genannt. Der Begriff dient nicht umsonst als Titel des Romans und ist nicht nur eine Beleidigung, sondern wird zur Chiffre für Herkunft, Zugehörigkeit und die ständige Erfahrung von Stigma und Ausgrenzung.

Die Sprache ist von großer Intensität: Keskinkılıç mischt Deutsch mit Türkisch, Arabisch, Englisch und Slang, wodurch ein vielschichtiges Klangbild entsteht. Gleichzeitig geraten die Figuren und Szenen dabei häufig ins Stereotype. Vor allem schwule Klischees – von oberflächlichen Dates über Körperfixierung bis hin zu sexuell aufgeladenen Begegnungen – treten stark in den Vordergrund, was die erzählte Welt manchmal schmal wirken lässt. Auch die Handlung selbst bleibt streckenweise flach, wiederholt bestimmte Muster und erreicht nicht immer die Tiefe, die die Sprache verspricht.

Die fragmentarische Erzählweise ist ungewöhnlich und prägt die Wirkung des Romans entscheidend. Viele Kapitel wirken wie lose Gedankenfetzen, in denen sich Erinnerungen, Sehnsucht und Gegenwart überlagern. Für manche Leser:innen mag diese Form faszinierend sein, weil sie Nähe und Unmittelbarkeit erzeugt; für andere jedoch wirkt sie verwirrend, da klare Linien von Handlung und Zeit immer wieder verschwimmen.

Hundesohn ist ein Roman voller Kontraste – roh und poetisch, direkt und zugleich voller Metaphern. Er wirft Fragen nach Identität, Herkunft und Begehren auf, ohne einfache Antworten zu geben, und zeigt zugleich die Grenzen seiner eigenen Figurenzeichnung. Ein Werk, das herausfordert, auch wenn es an manchen Stellen zu stark in Stereotypen verfällt.

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