Rezensionen
18. Mai 2026

Nacht ohne Morgen - Benoit d'Halluin

Nacht ohne Morgen ist ein fein komponiertes Debüt, das eine bewegende Geschichte zwischen Frankreich und New York entfaltet. Im Mittelpunkt stehen Marc und Catherine – der Freund und die Mutter des schwer verletzten, im Koma liegenden Alexis. Gemeinsam reisen sie in das Krankenhaus, in dem Alexis liegt, und setzen dabei ein Mosaik aus Erinnerungen, Schuld und unausgesprochenen Wahrheiten zusammen.

Alexis wurde nicht zufällig angefahren, sondern war Opfer eines gezielten Anschlags. Wer hinter dem brutalen Akt steckt, bleibt zunächst ungewiss – und so durchzieht den Roman eine leise, aber konstante Spannung, die an ein Krimi-Element erinnert. Diese kriminalistische Komponente wird dezent und zurückhaltend erzählt, verleiht der ansonsten introspektiven Handlung jedoch einen besonderen Sog.

Benoît d’Halluin gelingt es, mit ruhiger und feinfühliger Sprache das Porträt eines jungen Mannes zu zeichnen, dessen Leben geprägt ist von Scham, Missbrauch und dem Schweigen über seine Homosexualität. Geheimnisse und unausgesprochene Wahrheiten durchziehen den Roman wie ein dunkler Faden; Scham und Offenheit stehen sich als zentrale Kontraste gegenüber.

Ein leiser, vielschichtiger Roman über das, was gesagt werden müsste – und was über Jahre hinweg im Verborgenen bleibt. Emotional dicht, klug komponiert und unbedingt lesenswert.

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