Rezensionen
18. Mai 2026

Strandgut - Benjamin Meyers

Strandgut ist ein leiser, melancholischer Roman über das Altern, Schmerz und unerwartete zweite Chancen. Benjamin Myers erzählt die Geschichte des siebzigjährigen Bucky, einst Soulsänger, nun gebrochener Witwer und abhängig von Schmerzmitteln, mit großer Wärme und poetischer Präzision.

In seiner Bildsprache knüpft der Roman an Offene See an – das Meer als Symbol für Sehnsucht, Weite und Neubeginn zieht sich atmosphärisch durch den Text. Auch der Ort Scarborough wird dabei zu einem sinnbildlichen Schauplatz: ein Sehnsuchtsort, ein Übergangsort – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Stillstand und Bewegung.

Bucky, trotz seiner inneren Leere und Selbstzweifel, bleibt eine überraschend nahbare Figur. Besonders berührend ist die Geschichte zu seiner verstorbenen Frau, die in Rückblenden nach und nach an Tiefe gewinnt und viel über Verlust, Liebe und Zusammenhalt erzählt.

Die Begegnungen mit den weiblichen Protagonistinnen – insbesondere Dinah und Shabana – eröffnen Bucky neue Perspektiven. Ihre Rollen haben etwas Heilsames, beinahe Therapeutisches. Umso mehr hätte ich mir persönlich gewünscht, noch mehr über ihre eigenen Geschichten zu erfahren, über ihre Beweggründe und Verletzungen.

Strandgut ist ein tief empfundenes Buch über Schmerz und Hoffnung – und ein wunderbarer Begleiter für ein ruhiges Wochenende am Meer.

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