Rezensionen
18. Mai 2026

Super einsam - Anton Weil

Super einsam ist ein fiebriges, schmerzhaft-intensives Debüt über einen jungen Mann auf der Suche nach Halt, Nähe und einem Platz im Leben. Vito lebt in Kreuzberg, hangelt sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob, betäubt sich mit Alkohol und scheitert an der Vorstellung eines normalen Alltags. Was mit einem Kater beginnt, wird zur schonungslosen Reise in seine Vergangenheit – zwischen Erinnerungen, Verlorenheit und dem dringenden Wunsch, endlich anzukommen.

Anton Weil erzählt in einem dichten, poetischen Stil, der einen regelrecht mitreißt. Der Roman fühlt sich an wie ein Fiebertraum, in dem man nie genau weiß, ob man sich in der Realität oder in Vitos Kopf befindet. Traum und Wirklichkeit verschwimmen, fragmentarische Szenen wechseln sich mit Rückblenden und inneren Monologen ab. Dabei zieht das Tempo beim Lesen spürbar an – wie ein Strudel, der nicht nur Vito, sondern auch die Leser:innen mitreißt. Es entsteht das Gefühl, in einer rastlosen, überfordernden Welt zu leben, mit der Vito kaum Schritt halten kann.

Zugleich ist es nicht immer leicht, Vitos Gedanken und Handlungen nachzuvollziehen – zu diffus, zu sprunghaft ist oft sein innerer Monolog. Man fragt sich: Ist Vito wirklich so super einsam – oder vor allem verloren in seiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt?

Ein kluger, tieftrauriger Roman über Einsamkeit, Trauer, Orientierungslosigkeit – und die Sehnsucht nach Liebe. Eindringlich, schonungslos und von großer emotionaler Wucht.

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