Rezensionen
18. Mai 2026

Verdunstung in der Randzone - Ilija Matusko

Verdunstung in der Randzone ist ein autobiografischer Essayband, der sich mit feinem Gespür den Fragen von Herkunft, Scham und Klassenzugehörigkeit widmet. Ilija Matusko verbindet persönliche Erinnerungen mit soziologischer Reflexion und lotet in zehn essayistischen Kapiteln aus, wie sehr Gerüche, Herkunft und Räume soziale Zugehörigkeit prägen – etwa der Geruch von Pommes, der ihn in seiner Kindheit markierte und zu einem Symbol seiner Identität wird, mit dem er sich bis heute verbunden fühlt.

Mit klarem, pointiertem Stil deckt Matusko den inneren Zwiespalt eines Bildungsaufsteigers auf: die Distanzierung vom Elternhaus bei gleichzeitiger innerer Bindung – und einer tiefen Fremdheit in der neuen Welt. Dabei fühlt er sich letztlich keiner der beiden Welten wirklich zugehörig und bewegt sich einsam zwischen ihnen. Diese Zerrissenheit spiegelt sich auch in der Entwicklung seiner Beziehung zu den Eltern wider.

Der Text ist fragmentarisch aufgebaut, arbeitet mit Zitaten, Erinnerungen, familiären Szenen und literarischen Verweisen. Dabei verliert man als Leser:in stellenweise den Überblick – doch gerade diese Form erlaubt es, den Gedankenstrom Matuskos authentisch nachzuvollziehen. Was einige verwirren mag, ist zugleich ein gelungenes stilistisches Mittel, um Nähe zu seiner Perspektive herzustellen.

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