18. Mai 2026
Wie Inseln im Licht - Franziska Gänsler
Wie Inseln im Licht von Franziska Gänsler ist ein atmosphärisch dichter Roman über Erinnerung, Verlust und die Suche nach Wahrheit. Zwanzig Jahre nach dem Verschwinden ihrer kleinen Schwester Oda kehrt Zoey an die französische Atlantikküste zurück – an den Ort, wo sie einst mit ihrer Mutter und Schwester in einem Bauwagen auf einem Campingplatz lebte. Nun will sie die Asche ihrer verstorbenen Mutter im Meer verstreuen – und endlich verstehen, was damals geschah.
Von der ersten Seite an zieht der Roman in eine neblige, fast traumhafte Welt. Nichts scheint eindeutig, alles ist von Erinnerung, Schuld und Sehnsucht überlagert. Man liest, als bewege man sich gemeinsam mit Zoey durch dichte Schwaden aus Vergangenheit und Emotion – auf einer Spurensuche, die weniger kriminalistisch als psychologisch ist. Gänsler entfaltet die Geschichte mit leiser Spannung und großer Sensibilität für Zwischentöne, lässt Leerstellen und Andeutungen wirken, statt sie zu erklären.
Halt findet Zoey in ihrer Freundin in Berlin, zugleich öffnet sich am Meer eine neue, zarte Beziehung zu einer Hotelmitarbeiterin – eine lesbische Romanze, die sanft und tröstend wirkt, ohne das Dunkel der Erinnerung zu vertreiben.
Wie Inseln im Licht ist ein leiser, vielschichtiger Roman voller Atmosphäre und emotionaler Tiefe – ein Buch, das sich anfühlt, als würde man in einen Traum eintauchen, aus dem man verändert wieder auftaucht.

