18. Mai 2026
Woman - Chloé Caldwell
Women ist ein schonungsloser, zugleich fragiler Roman über Begehren, Selbstsuche und den Sog toxischer Beziehungen. Die Ich-Erzählerin zieht nach einem Entzug nach New York, wo sie sich zum ersten Mal in eine Frau verliebt: Finn, 19 Jahre älter, charismatisch und gebunden. Was zunächst wie eine Befreiung wirkt, kippt schnell in Abhängigkeit und Selbstverlust – Nähe und Rückzug wechseln sich ab, Liebe und Schmerz sind untrennbar ineinander verschlungen.
Chloé Caldwell verzichtet auf eine klassische Handlung und konzentriert sich stattdessen auf das Innenleben ihrer Erzählerin: auf Zweifel, depressive Phasen, Konsum und das ständige Ringen um Orientierung. Der Roman ist stark fragmentiert, was manche Leser:innen durchaus verwirren könnte – Handlung und Zeit scheinen sich stellenweise zu verlieren. Gerade dadurch entsteht jedoch eine besondere Intensität. Wie in einem Tagebuch bekommt man nur Fetzen der Gefühlswelt mit, erlebt die Launen und Emotionen der Protagonistin unmittelbar und spürt ihre Zerrissenheit fast körperlich.
So gelingt es Caldwell, den Teufelskreis aus Verlangen und Selbstzerstörung spürbar zu machen – ein schmerzhafter, ehrlicher Blick auf die Abgründe queerer Beziehungen, der bewusst Klischees berührt, ohne sie vollständig zu überwinden. Problematisch bleibt jedoch die Verharmlosung und kaum vorhandene Thematisierung des Fremdgehens, das in der Beziehung eine zentrale Rolle spielt und dennoch fast unkommentiert bleibt.
Women ist kein tröstendes Buch, sondern eines, das beunruhigt und nachhallt – gerade weil es so kompromisslos in die Zerrissenheit seiner Protagonistin eintaucht. Ein radikales, unbequemes, aber auch wichtiges Werk der queeren Literatur.

